zurück

11.10.2010

Verwaltungsrecht

OVG Sachsen-Anhalt: Gemeinde ist nicht befugt Aufstellung von Straßenpollern anzuordnen

Gemeinden seit 2005 nicht mehr für Anordnung von Verkehrseinrichtungen zuständig

Gemeinden in Sachsen-Anhalt sind nicht zur Anordnung der Aufstellung von Pollern auf öffentlichen Straßen in ihrem Gemeindegebiet befugt. Dies entschied das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt und erklärte die Klage von Grundstückseigentümern, die sich gegen die Aufstellung eines Straßenpollers, durch den die Zufahrt zum Grundstück mit Kraftfahrzeugen beschränkt wurde, für zulässig.

Im zugrunde liegenden Fall wurde von der Stadt Osterfeld/Burgenlandkreis im Juni 2006 von der Stadt die Aufstellung eines Straßenpollers verfügt, mit dem die Zufahrt zum Grundstück der Kläger mit Kraftfahrzeugen beschränkt wurde. Die Aufstellung des Sperrpfostens in der Nähe der Auffahrt zum Grundstück der Kläger war von der Stadt veranlasst worden, damit der am Grundstück der Kläger vorbeiführende Weg aus einer bestimmten Richtung nicht mehr mit Kraftfahrzeugen befahren werden konnte. Aus Sicht der Gemeinde war dies erforderlich gewesen, weil der Weg über keinen Bürgersteig verfügt und von Fahrzeugen, die den Weg als Durchfahrtsstraße nutzten, Gefahren für Fußgänger ausgingen.
VG Halle: Anwohner durch Aufstellung des Pollers nicht in Anliegerrecht auf Zugang zur Straße verletzt Das Verwaltungsgericht Halle hatte die Klage abgewiesen und zur Begründung ausgeführt, dass die Kläger in ihrem Anliegerrecht auf Zugang zur Straße durch die Aufstellung des Pollers nicht verletzt seien, da ihr Grundstück auch nach Aufstellung des Pollers noch eine genügende Verbindung zum öffentlichen Verkehrsnetz habe. Die hiergegen eingelegte Berufung der Kläger war erfolgreich.
Kreisfreie Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt seit 2005 nicht mehr für die Anordnung von Verkehrseinrichtungen zuständig Das Oberverwaltungsgericht des Landes Sachsen-Anhalt hat in seinem Urteil zur Begründung ausgeführt, dass die Anordnung der Stadt über die Aufstellung des Pollers bereits deshalb rechtswidrig sei, weil die nicht kreisfreien Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt seit dem 1. Januar 2005 nicht mehr für die Anordnung von Verkehrseinrichtungen – wie dem hier streitigen Poller – auf öffentlichen Straßen in ihrem Gemeindegebiet zuständig sind. Zwar waren diese Gemeinden bis zum 31. Dezember 2004 für die Anordnung von Verkehrseinrichtungen wie dem hier streitigen Sperrpfosten gemäß § 45 Absatz 9 der Straßenverkehrsordnung zuständig. Mit dem Ersten Funktionalreformgesetz vom 22. Dezember 2004 ist den Gemeinden jedoch nur noch die Zuständigkeit für Maßnahmen nach § 45 Absätze 1 bis 8 der Straßenverkehrsordnung übertragen worden. Für Maßnahmen nach § 45 Absatz 9 Straßenverkehrsordnung sind seit dem 1. Januar 2005 die Landkreise und kreisfreien Städte als untere Straßenverkehrsbehörde zuständig. Das Oberverwaltungsgericht hat nach Auswertung der Gesetzgebungsmaterialien auch nicht feststellen können, dass der Wegfall der gemeindlichen Zuständigkeit für Maßnahmen nach § 45 Absatz 9 der Straßenverkehrsordnung lediglich auf einem gesetzgeberischen Versehen beruht.

Angaben zum Gericht:

  • Gericht:Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt
  • Entscheidungsart:Urteil
  • Datum:22.09.2010
  • Aktenzeichen:3 L 341/09

Quelle:Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt/ra-online